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Essen oder München
In einem undatierten Schreiben zum Beitrag „Essen oder München“ im PROJECT CONSULT Newsletter 2003117Newsletter 2003117 wurde vom VOI Verband Organisations- und Informationssysteme e.V. eine Stellungnahme an PROJECT CONSULT gerichtet, die auch als Offener Brief verbreitet wurde.  
Die Verfasser des Schre
ibens an Dr. Ulrich Kampffmeyer sind Petra Greiffenhagen, E-Mail: petra.greiffenhagen@mikromatic.de, stellvertretende Vorstandsvorsitzende, und Ulf Freiberg, E-Mail: ufreiberg@csc.com, Vorstandsvorsitzender des VOI ( http://www.voi.de ). 
(...) mit einigem Erstaunen und doch auch einem leisen Lächeln haben wir Ihre Stellungnahme innerhalb Ihres aktuellen Newsletters unter der Rubrik „München oder Essen?“ gelesen. Hierzu möchte der Vorstand des VOI, wie folgt, Stellung nehmen:
Sie schreiben: „Jahrelang war die verbilligte Standfläche nahezu das einzige Argument, Mitglied im Verband zu sein“. Nun, das beruhigt uns. Aus der Vergangenheitsformel lässt sich erkennen, dass Sie auch bemerkt haben, dass sich im VOI etwas bewegt und einige gute Gründe für eine Mitgliedschaft hinzugekommen sind. Da die VOI Vergangenheit jedoch auch Ihre Vergangenheit ist, stellen Sie sich selbst ein schlechtes Zeugnis aus. Schade eigentlich, denn wir haben das nie so gesehen.
Sie schreiben weiterhin, dass die DMS EXPO nicht unwesentlich zum Erfolg des VOI beigetragen habe. Hier komme ich auf Ihre beschriebene Symbiose zurück: ist es denn nicht auch so, dass der VOI ganz wesentlich zum Erfolg der DMS EXPO beigetragen hat? Der VOI hat sich schon immer sehr um die DMS EXPO bemüht und sicherlich die Attraktivität der Messe durch die begleitende Konferenz erhöht.
Zum Thema Essen oder München: Schade, dass Sie vor dem Abdruck Ihres Kommentars nicht mit uns gesprochen haben. Wir hätten Ihnen über unsere Denkansätze gerne Auskunft erteilt. So verlieren Sie sich in Spekulationen, wie sich der VOI zu diesem Standortthema verhalten wird. Sie prognostizieren, dass sich der VOI seiner Wurzeln entledigt, wenn er sich für den Standort München ausspricht. Gleichzeitig nennen Sie uns „windelweich“, wenn wir die Vor- und Nachteile beider Standorte präsentieren. Was denn nun, lieber Dr. Kampffmeyer? Wäre es Ihnen lieber, wir würden sämtliche Alternativen und Angebote von außen ignorieren, uns in unserem Sessel zurücklehnen und wie seit Jahr und Tag die DMS EXPO favorisieren, damit wir unsere persönliche „Visibiliät“ erhöhen?
Zum Thema „Visibilität der Vorstandsmitglieder“: Sind denn Ihre Wurzeln, die Ihnen zur heutigen Bekanntheit verholfen haben, nicht auch der VOI? Wirft Ihnen dies heute jemand vor? Ist es überhaupt verwerflich, durch Verbandsengagement positiv aufzufallen? Ist „Lethargie“ weniger verwerflich? Wenn sie sich darüber hinaus die derzeitige Zusammensetzung des VOI Vorstandes ins Gedächtnis rufen, so sollte Ihnen schnell klar werden, dass die einzelnen Vorstandsmitglieder als marktbekannte Key Player namhafter Firmen keine Messe als persönliche Plattform brauchen.
Gestatten Sie uns noch ein generelles Wort zur VOI - Positionierung: mit dem vor mehr als einem Jahr gestarteten und mittlerweile sehr erfolgreichen VOI - Strategieprogramm „Marco Polo“ ist der Verband Vorreiter im Markt der deutschen Verbände. Weitere prominente Verbände sehen sich ermutigt, ebenfalls über die eigene Strategie, neue Wege und neue Organisationsformen nachzudenken.
Der VOI wird ernst genommen, ist in Industrie und Politik nachgefragt und damit den Kinderschuhen weit zurückliegender Amtsperioden entwachsen. Die aktuell anstehende Mitgliederversammlung wird hierfür den Beweis liefern. (...)
  
PROJECT CONSULT Kommentar:
(…) Zum Thema „verbilligte Standfläche“ schreiben Sie, dass dies in der Vergangenheit wohl so gewesen sein kann und ich will dort meine Zeit als Vorstandsvorsitzender des VOI bis 1998 nicht ausnehmen. Ich hoffe, dass es dennoch die eine oder andere zusätzliche Kleinigkeit gab, die damals rund 150 Firmen zur Mitgliedschaft im Verband bewog. Der VOI bewegt sicherlich heute mehr, als wir damals mit Bordmitteln zu Wege gebracht haben. Es kommt, wie Sie selbst schreiben, nicht auf den Blick zurück an. Es ist aber dennoch zu berücksichtigen, dass die DMS dem VOI eine eigenständige Plattform geboten hat, den Verband finanziell unterstützte und überhaupt erst das Bild einer eigenständigen Branche in Deutschland prägte.
Entscheidend für die Zukunft ist, dass die Branche ihr eigenständigen Profil behält und weiterentwickelt. Eine Empfehlung „nur“ oder „vorrangig“ für die Systems in München halte ich aus meiner Sicht des Marktes für wenig sinnvoll. Hier werden außerdem die einzelnen Firmen letztlich von sich aus entscheiden, wo Sie ihre Marketing-Budgets platzieren. Es ist jedoch Aufgabe eines Verbandes, richtungsweisend tätig zu werden, um Geschlossenheit zu demonstrieren und Zersplitterung zu vermeiden.
Die Botschaft der Bedeutung von Dokumenten-Technologien ist längst nicht in den Entscheideretagen angekommen. Zum hier notwendigen „Evangelismus“ habe ich auch in meinem aktuellen Buch ‚Dokumenten-Technologien: Wohin geht die Reise?’ entsprechend Stellung bezogen. Deshalb bin ich auch der Meinung, dass eine eigenständige Plattform der Branche besser steht als nur einer unter vielen auf einer größeren Veranstaltung zu sein.
Zum Thema „Visibilität“ führen Sie aus, dass ich natürlich in meiner Zeit auch vom Verband profitiert habe. In der Vergangenheit habe ich selbst in mehreren Beiträgen betont, dass die Ehre denjenigen gebührt, die sich aktiv engagieren. Die damals an meine Person gerichteten Vorhaltungen zu großer persönlicher Visibilität waren einer der Gründe, warum ich vorzeitig vom Posten des Vorstandsvorsitzenden zurückgetreten bin. Dass ich nach meinem Rücktritt aus dem VOI Vorstand nicht „in der Versenkung verschwunden“ bin, zeigt aber andererseits, dass PROJECT CONSULT und ich aus eigener Leistung, durch ständige Auseinandersetzung mit dem Markt und z.B. durch unsere Publikationen auch ohne Verband eine gewisse Visibilität im DRT-Markt besitzen. Sonst hätten Sie sich wahrscheinlich auch nicht die Zeit genommen, auf unseren kleinen „spitzen“ Kommentar im Newsletter zu antworten. Während meiner Ära als Vorstandsvorsitzender hatte ich mich langjährig vergeblich bemüht führende Vertreter der Branche für die Verbandsarbeit zu interessieren. Hier ist der VOI heute sicherlich besser aufgestellt.
Liebe Frau Greiffenhagen, lieber Herr Freiberg, wie Sie wissen, recherchieren wir eigenständig und bilden uns unsere eigene Meinung. Die Kommentare sind das Herzstück unseres Newsletters. Wenn Sie Schlüsse von uns als Spekulation ansehen, stört uns das nicht. Dass einige Mitglieder des VOI-Vorstands unseren Kommentar offenbar als persönlichen Angriff empfunden haben, bedauern wir hingegen. Unsere Kommentare sind auch eine Reflexion von Wahrnehmungen von Dritten im Markt. Man muss sich diesen Wahrnehmungen von außen stellen – auch wenn sie nicht immer mit dem eigenen Bild übereinstimmen. PROJECT CONSULT stellt sich diesen Wahrnehmungen und ich gehe davon aus, dass auch der Vorstand des VOI dies tut.
Die Arbeit des Verbands für Organisations- und Informationssysteme verfolge ich aufmerksam, da der Verband, wie auch Ihre und mein Unternehmen, Sie und ich, Bestandteil dieses Marktes sind – oder besser, Bestandteil einer Community (das deutsche Wort Gemeinschaft passt hier nicht ganz), die sich als Abbild dieses Marktes sieht. Von außen besehen, von den Anwendern und den großen ITK-Anbietern betrachtet, sind wir immer noch ein Nebenkriegsschauplatz. Wir nehmen uns wichtig – aber tut dies auch die Außenwelt, denen wir unsere Botschaften andienen?
Hier bleibt sicherlich noch viel zu tun. (...) (Kff)
Anm. d. Red.: Anreden, Einleitungen und Grußformeln wurden aus beiden Schreiben entfernt. Das Antwortschreiben von Dr. Ulrich Kampffmeyer wurde am 25.11.2003 an den VOI versendet. Zur öffentlichen Diskussion verweisen wir auf ComputerPartner Online ( http://computerpartner.de ). (FH)
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