20040617 \  In der Diskussion \  IBM und ECM : Strategie und Fokussierung im Information Lifecycle Management (ILM)
IBM und ECM : Strategie und Fokussierung im Information Lifecycle Management (ILM)
ILM im Wettbewerb am Markt
ILM – Information Lifecycle Management – ist am Markt kein klar definierter  Begriff. sondern wird von den Herstellern von Speichermanagement-Systemen je nach dem eigenen Angebot unterschiedlich definiert und ausgelegt. Als einer der ersten Anbieter und verbunden mit einem  konkreten Angebot an Strategien und Produkten positionierte sich EMC mit ILM. „EMC hat noch nicht alle Teile für ILM, aber sie sind derzeit am dichtesten dran“ (Steve Berg, Marktbeobachter bei Punk Ziegel & Co.). So wie EMC heute den Begriff ILM besetzt hält bedeutet eine ILM-Strategie, dass
   
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alle Informationen hinsichtlich Bedeutung, Verwendungszweck und Speicherort klassifiziert und Kategorisiert werden,
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für die daraus resultierenden Informationstypen hinsichtlich der Speichersystematik Verfahrensregeln  und Service-Level definiert werden,
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die Unternehmensprozesse und die damit verbundenen Anwendungen in das resultierende Regelwerk so eingebunden werden, dass die damit verbundenen Speicherprozesse automatisiert werden können und alle Informationen in der gewünschten Form verfügbar sind.
Ohne hierbei auf die von EMC vorgeschlagene technische Umsetzung einzugehen heißt dies, dass nach diesem Vorgehen ein ILM-System alle unternehmensrelevanten Informationen, Daten und Dokumenten vom Zeitpunkt des Entstehens bis zur Löschung
   
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in einer verteilten Umgebung erfassen, speichern und verwalten muss,
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über eine Datenbank-gestützte Registratur-, Dokumenten-, Metadaten- und Indexverwaltung für den geordneten, schnellen Zugriff auf die gespeicherte Information sorgt,
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Prozessunterstützung mittels  Workflow- und Business-Process-Management-Software bietet sowie
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Subsysteme für die Langzeitarchivierung entsprechend den rechtlichen und regulativen Anforderungen enthält.
Definition von ILM
Der Herstellerverband für Speichersystemlösungen SNIA Data Management Forum | SNIA Information Lifecycle Management Initiative definiert im März 2004 ILM wie folgt:
ILM Vision:
"A new set of management practices based on aligning the business value of information to the most appropriate and cost effective infrastructure".
ILM Definition:
"Information Lifecycle Management is compromised of the policies, processes, practices, and tools used to align the business value of information with the most appropriate and cost effective IT infrastructure from the time information is conceived through its final disposition. Information is aligned with business processes through management policies and service levels associated with applications. metadata, information, and data".
Das Marktanalyseunternehmen IDC definiert ILM dagegen wie folgt:
"The migration of different classes of data according to the perceived value to the 'most appropriate storage' to meet cost, performance, availability, recovery time, regulatory compliance, and other organization objectives.”
Diese deutlich verschiedenen Ansätze zeigen, dass heute eine eindeutige Zuordnung von Produkten zum Marketingslogan ILM noch nicht möglich ist.
Die ILM-Strategie der IBM
Bis vor kurzem fokussierte IBM seine Aktivitäten zum Thema ILM auf „Data Retention“ (vgl. Kff: „IBM: TotalStorage Data Retention 450“ im Newsletter 20040512Newsletter 20040512). Gerade die Vorstellung des neuen integrierten Speicher- und Server- Lösungs-System „TotalStorage Data Retention 450“ zielt eindeutig auf den relativ neuen ILM-Markt, in dem sich seither vor allem EMC und StorageTec positioniert haben.
IBM definiert in aktuellen Unterlagen ILM als die  „Verwaltung komplexer Storage-Systeme, Organisation von Backups und Restores sowie die Archivierung und Nachhaltigkeit“ und spricht beim eigenen Leistungsangebot von einer „ILM-Strategie.
Bei IBM wird dabei die Verwaltung aller Informationen von der Entstehung bis zur Vernichtung verstanden.  Konkret bedeutet dies das Ablegen der Informationen unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften so kostengünstig wie möglich verbunden mit schnellen Zugriffsmöglichkeiten. Damit sind integrale Bestandteile einer ILM-Lösung
   
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das Zusammenspiel von DMS-Anwendungen und Speichersystem,
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Hierarchisches Speichermanagement (HSM) und Archivierung,
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die Migration der Informationen auf Datenträger neuer Technologien
 
.Die in der Grafik veranschaulichten der IBM-Lösung zeigen, dass die technische Umsetzung der IBM-Strategie durch das DR450-System in der Integration der DMS-/ECM-Lösung und den Speichersubsystemen liegt.
Kernstück der hierfür notwendigen Middleware ist der IBM Tivoli Storage Manager for Data Retention, also eine sehr betriebssystemnahe Lösung. Auf dieser Ebene wird HSM und damit die physikalische Speichersystematik sowie Backup integriert und eine Soft-WORM-Funktionalität soll die Unveränderbarkeit der gespeicherten Informationen garantieren.
Hardwarebasis ist ein IBM Hochverfügbarkeitsserver der IBM pSeries 615 mit HACMP-Cluster und FAStT-Speichersystem (Raid-5 oder Raid-10). Derzeit sind Speicherkapazitäten von 3,5 bis 56 TB verfügbar. Für die Langzeitarchivierung kann als Speichersubsystem das WORM-Tape 3592 angebunden werden. Weitere Speichersubsysteme werden folgen.
Fazit
EMCs Verständnis von Information Lifecycle Management geht im strategischen Ansatz noch deutlich über den heutigen Ansatz von IBM hinaus. IBM sieht eine ILM-Lösung noch immer sehr stark in einer Erweiterung des HSM-Ansatzes, neu allerdings im Verbunden mit ECM- bzw. DMS-Systemen. Allerdings bewegt sich IBM mit den jüngsten Produktpräsentationen deutlich in die strategische Ausrichtung von EMC. Auf die weitere Entwicklung in diesem Sektor darf man gespannt sein.  (JH)
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